Der eigene Lebensentwurf lässt sich nicht googlen

Selbstbestimmung & Jobsuche

– Was Jobsuche mit Selbstbestimmung zu tun hat

Es gab eine Zeit, in der Individualisierung und Karriere strikt getrennte Wege gingen. Identitätsfindung und Selbstbestimmung fanden ausschließlich nach Feierabend statt. Selbstverwirklichung war ein Hobby, das man – wenn überhaupt – im Privaten pflegte.
Heute ist Arbeit wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeitsentfaltung. Tradierte Arbeits- und Lebensmodelle werden zunehmend hinterfragt und den aktuellen Gegebenheiten und Möglichkeiten immer wieder individuell angepasst.
Und das hat auch Auswirkungen darauf, was wir in Zukunft unter „Jobsuche“ verstehen werden…

Karriere ist heute Vehikel zur Selbstverwirklichung

Inzwischen ist die Berufswahl nicht selten Ausdruck von Persönlichkeit und untrennbar mit der Entfaltung derselben verbunden. Nicht umsonst antwortet man auf die Frage „Wer bist du?“ zumeist mit seinem Namen und dem derzeitigen Jobtitel.

Der Stellenwert der Erwerbstätigkeit in Relation zum Privatleben sowie die Ansprüche daran, wie, wo und wann ein Beruf ausgeübt wird, haben sich im Laufe der Zeit beträchtlich geändert. Freizeit und Spaß bei der Arbeit werden mittlerweile ein mindestens ebenso hoher Wert beigemessen wie der Höhe des Gehalts.

Für moderne Arbeitnehmer*innen spielen Eigenständigkeit und Gestaltungsfreiheit im Job eine besonders große Rolle.

„Selbstbestimmt. Nicht fremdgesteuert“ ist dabei das Credo der heutigen Arbeitnehmerschaft. Dienst nach Vorschrift ist nur noch für die Wenigsten attraktiv. Vielmehr geht es darum, die eigenen Talente sinnvoll und gerne auch in Eigenregie einzusetzen. Eine Arbeit zu verrichten, die der Gesellschaft nützt. Und dabei die persönlichen Ressourcen von Fachkompetenz und Lebenszeit nachhaltig einzusetzen. Arbeitnehmer*innen wollen einen Beitrag zu etwas möglichst Großem leisten. Arbeit soll einen Sinn stiften, der darüber hinausgeht, Konto und Kühlschrank stets gut gefüllt zu wissen. Leistung und Lebensgenuss schließen sich heute nicht mehr aus, sondern gehen harmonisch Hand in Hand.

In zivilisierten Gesellschaften stehen uns beinahe unbegrenzte Möglichkeiten zur Verfügung, unser Potential bestmöglich einzusetzen, Verantwortung für die eigene (berufliche) Zufriedenheit zu übernehmen und die Lebensplanung individuell zu gestalten. Doch nur selten schöpfen wir aus dem Vollen und lassen somit wertvolle Gelegenheiten zur Steigerung der Lebensqualität (z.B. durch einen Jobwechsel) ungenutzt.

Veränderung setzt Entscheidungen voraus. Immer.

Denn mit dem Träumen von einem individuellen Ideal-Lebensplan ist es nicht getan. Er setzt sich nicht von allein in die Tat um.
Ein selbstbestimmtes Leben ist eine Kette von aktiven Entscheidungen.
Dies erfordert zunächst Selbstreflektion: Wo liegen die eigenen Prioritäten im Leben?
Dann braucht es die Selbstverantwortung, die Vielfalt der individuellen Möglichkeiten auszuloten.
Schlussendlich ist auch noch Mut gefragt, einen Entschluss und sich ein Herz zu fassen, den neuentdeckten Weg tatsächlich einzuschlagen.
Keine Lappalie also.

Da erscheint es oftmals leichter, in der zwar unbequemen, aber immerhin gewohnten Position zu verharren als einen neuen Schritt ins Ungewisse zu wagen. Lieber ein altbekanntes Leiden als ein unbekanntes Risiko. Allzu gern werden notwendige Konsequenzen vertagt. Und zwar auf einen unbestimmten Zeitpunkt.

Es fällt leichter, (berufliche) Unzufriedenheit vor sich selbst mit fadenscheinigen Argumenten zu rechtfertigen, als sich wirklich mit den eigenen Wünschen auseinanderzusetzen, ein (Etappen-)Ziel festzulegen und konkrete Pläne zu schmieden.

Den eigenen Lebensentwurf kann man nicht googlen. Und auch der Versuch, diese Aufgabe an Eltern, Bekannte und andere Beratungsinstanzen zu delegieren, wird immer wieder scheitern. Berufung fällt niemandem in den Schoß. Da hilft auch kein YouTube-Tutorial. Und genau das ist die Herausforderung für die Arbeitssuchenden des 21. Jahrhunderts.

Eigenverantwortung
Selbstbestimmtheit bedeutet (auch), Verantwortung für die persönliche und berufliche Entwicklung zu übernehmen.

Eine Jobsuche beinhaltet immer die Konfrontation mit den eigenen Wertvorstellungen und setzt die bewusste Entscheidung für einen Richtungswechsel voraus. Sie bedeutet, Eigenverantwortung zu übernehmen und aktiv zu werden, indem man für sich und seine Ziele einsteht.

Die Jobsuche braucht ein neues Image

Ein großes Hemmnis für einen karrieretechnischen Kurswechsel ist die häufig negative Konnotation des Themas „Jobsuche“. Lange Zeit erschienen Recruiter*innen als unnahbare, fast übermächtige Gestalten, die mehr oder weniger willkürlich über das Schicksal von Bewerber*innen zu entscheiden vermochten.
Hinzu kamen das mühselige Zusammenklauben aller notwendigen Unterlagen, die es brauchte, um in einem oftmals unnötig komplizierten und undurchsichtigen Bewerbungsprozess berücksichtigt zu werden.

Genau deshalb sollten Personaler*innen mit der Zeit gehen und sich für ein wertschätzendes Recruiting auf Augenhöhe einsetzen. Sie sollten Bewerber*innen wertschätzend entgegentreten, indem sie zeitgemäße Bewerbungsmodelle anbieten. Die Möglichkeiten hierzu sind bereits gegeben

Darum sollte auch nicht länger der Eindruck verbreitet werden, Jobsuche sei ein notwendiges Übel – die vermeintlich letzte Option, die Arbeitnehmer*innen bleibt, bevor der Karrierezug ohne sie weiterfährt.
Muss denn jede Jobsuche das lang herbeigesehnte Ende eines Berufs-Martyriums sein? Nein.
Können wir sie nicht vielmehr als Chance auf einen knackigen Neuanfang inklusive Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten und Potentiale begreifen? Oh ja.
Wäre „Statt weg vom alten Job, lieber hin zum neuen Job“ nicht eine viel zeitgemäßere und motivierendere Geisteshaltung? Aber hallo.

Jobsuche ist keine Flucht vorm Bisherigen, sondern die Neugier auf Kommendes.

Auch die Ansprüche an das Finden eines Jobs werden steigen

Die Forderungen an den eigenen Job haben sich also gewandelt. Aha.

Früher oder später werden sich die Ansprüche an das Finden eines Jobs ebenfalls ändern. Selbstbestimmtheit im Job sollte schon bei der Bewerbung beginnen. Und genau an dieser Stelle besteht derzeit noch Nachholbedarf.

Selbstbestimmung im Berufsleben sollte bereits bei der Jobsuche beginnen.

Moderne Talente haben den Anspruch, schon bei der Suche nach einem neuen Job Klarheit darüber zu haben, welche Optionen ihnen offenstehen – welche Tätigkeit am besten zu ihren Fähigkeiten und Vorstellungen passt, statt dies nach dem Trial-and-Error-Prinzip erst dann herauszufinden, wenn der Arbeitsvertrag bereits unterschrieben und das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Transparenz als Grundlage für Selbstbestimmung

Grundlage hierfür ist Transparenz. Sie ist die Basis, aufgrund derer alle am Anstellungsprozess Beteiligten von Beginn an wissen, worauf sie sich einlassen.
Es könnte Klarheit bestehen, wohin sich verschiedene Märkte entwickeln, welche fachlichen Kompetenzen auch in Zukunft gefragt sein werden und wie sich Berufsaussichten optimieren lassen.
Auf Basis dieser Informationen lassen sich fundierte Entscheidungen treffen. Und Pläne für eine fruchtbare Zukunft schmieden.

Transparenz schenkt uns die Ruhe und Gelassenheit, die Vorteile der heutigen Multioptionalität geschickt zu nutzen, Perspektiven für die Zukunft zu erkennen und Chancen selbstbestimmt ergreifen zu können.

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